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1250 Jahre Obergriesheim:
Wussten Sie schon?

Lorscher Kodex

2017 feiert Obergriesheim das 1250-jährige Jubiläum seiner erstmaligen urkundlichen Erwähnung. Der Franke Eberwin und seine Gattin Engiltrud schenkten am 26. April 767 dem neu gegründeten Kloster Lorsch auf ewig zu eigen alles, was sie in den Gemarkungen Offenau, Gundelsheim und in „Greozisheim“ an Äckern, Hofreiten, Wiesen, Wäldern und Gewässern besaßen. Die eigentliche Schenkungsurkunde ist heute nicht mehr erhalten. Beleg für ihre frühere Existenz ist der Lorscher Kodex, auf den sich unser Jubiläum bezieht. Dieses Buch wurde unter Zusammenfassung älterer Urkunden am Ende des 12. Jahrhunderts erstellt, um die Rechte und Besitztümer des Klosters Lorsch zu dokumentieren. Der Lorscher Kodex zeugt übrigens von drei weiteren Schenkungen, die zwischen 775 und 790 erfolgt sind und Grundbesitz auf der „Greozheimer“ Markung betreffen. Er befindet sich heute im Staatsarchiv in Würzburg.

Ober- und Untergriesheim

Bis etwa 1300 wurde zwischen Obergriesheim und Untergriesheim nicht unterschieden. Unsere früher ebenfalls selbständige Nachbargemeinde Untergriesheim sieht sich in einer Urkunde vom 16. April 771 erstmals erwähnt, als ein Nortman in dem „in pago Jagesgowe“ (im Jagstgau) gelegenen Dorf Creizheim zwei Morgen Land schenkt. Wie in Obergriesheim kann die frühere Existenz dieser Urkunde nur aus dem im 12. Jahrhundert erstellten Lorscher Kodex abgeleitet werden. Während in Obergriesheim nur Steinkistengräber ohne Beigaben gefunden wurden, die aus der fränkischen, wahrscheinlich schon christlichen Periode stammen, kann Untergriesheim einen alamannischen Friedhof und eine fränkische Begräbnisstätte mit heidnischen Bestattungsriten aufweisen. Die Ursprünge des heutigen Dorfes Untergriesheim könnten deshalb unter Umständen weiter zurückgehen als die des heutigen Obergriesheim.

Fränkische Gründung

Wie lange Obergriesheim vor seiner ersten urkundlichen Erwähnung ununterbrochen bestand, lässt sich nicht feststellen. Ob der Gründer unseres Dorfes tatsächlich ein Franke namens „Greozo“ war, weiß man auch nicht. Für eine fränkische Gründung, vielleicht auch Umbenennung, spricht aber der mit „heim“ endende Ortsname. Auch die Tatsache, dass im Bereich des Grundstücks Heidelberger Straße 19 Steinkistengräber ohne Beigaben gefunden wurden, weist auf eine Besiedelung durch die christlich gewordenen Franken hin. Möglicherweise lässt der Flurname „Käppele“ darauf schließen, dass dort früher eine Kirche stand. Da im frühen Mittelalter Gebäude größtenteils aus Holz errichtet wurden, hat die Zeit aber alle Spuren vernichtet. Wer sich ein Bild machen möchte, wie die Obergriesheimer in der Frankenzeit vermutlich gelebt haben, sollte an dem Ausflug nach Lorsch teilnehmen, den der Ortschaftsrat für den 15. Juni 2017 organisiert hat. Dort wird im Freilichtmuseum „Lauresham“ das Alltagsleben außerhalb der Klostermauern zu Zeiten Karls des Großen anschaulich gemacht.

Die ersten Obergriesheimer

Die ersten Obergriesheimer waren lange vor den Franken da. Mit einem Alter von rund 7.000 Jahren wurden Spuren der derzeit ältesten bekannten Häuser des Landkreises Heilbronn in Oedheim gefunden. Im Bad Friedrichshaller Flur „Plattenwald“ wurden Spuren von Menschen gefunden, die sich dort vor etwa 6.000 Jahren niedergelassen hatten. In dieser Zeit werden auch Menschen die Jagst überschritten und in den nach heutigen Erkenntnissen mit vielen Linden durchsetzten Eichenmischwald Inseln geschlagen haben. Ihrem Töpferstil entsprechend rechnet man diese ersten Obergriesheimer Siedler der Bandkeramischen Kultur zu, die die älteste bäuerliche Kultur der Jungsteinzeit in Mitteleuropa ist. Die Neuankömmlinge errichteten Hütten aus Holz und Lehm, bauten Getreide an und lebten mit ihren Haustieren. Bei der Felddrainierung 1927 wurden im Gewann „Krumme Äcker“ insgesamt 14 Siedlungsstellen in 0,60 bis 1,80 m Tiefe angeschnitten. Im März 1925 hatte Julius Krauth auf seinem dort gelegenen Acker bereits ein Grab mit einem beigegebenen Gefäß entdeckt, das die Experten den Bandkeramikern der Jungsteinzeit zuordneten.

Sittele

Im Gewann „Sittele“ wurden besonders viele Funde gemacht. Es waren drei Gehöfte und der Grundriss eines rechteckigen Gebäudes mit zwei Räumen erkennbar. In der Südostecke des tieferen Raumes lag der Herd, der über die Wand nach außen vortrat. Man fand ein Steinbeil aus Hornblendeschiefer, 9 cm lang, vier beschädigte Steinbeile, Messer, Schaber und Pfeilspitzen aus Feuerstein, bearbeitetes Hirschgeweih und Keramik, wobei die Teile einer beiderseits verzierten viereckigen Schale besonders bemerkenswert sind. Experten ordneten die Keramik dem Rössen-Großgartacher Stil zu, welcher der Zeit zwischen 4.900 und 4.550 vor Christus zuzuordnen ist. Unter den Funden ist auch ein Knopf aus Ton, eine 1,5/1,7 cm große Scheibe mit aufgesetztem und durchbohrtem Buckel. Die meisten dieser Funde finden sich heute im Archiv der Städtischen Museen in Heilbronn, eine Scherbe aus Obergriesheim ist in der dortigen Archäologischen Abteilung im Deutschhof ausgestellt.

Löss

Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie alt der Erdboden ist, auf dem wir Obergriesheimer stehen? Den größten Teil der Obergriesheimer Markung bedeckt Löss. Dieser kalkhaltige Steinstaub entstand durch Verwitterung und wurde während der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren durch Westwinde aus den damals nahezu vegetationsfreien Schotterflächen der Oberrheinebene und den daran angrenzenden Hochflächen auf die seinerzeit offenen Lettenkeuperflächen unseres Gebietes geweht. Unser Gebiet war damals nicht vergletschert, wurde aber durch die Wirkungen des Frostes geprägt. Die Temperaturen lagen damals um etwa 10 bis 15° C unter den heutigen. Die Vegetation in unserem Gebiet bestand aus einer Strauch- und Kräutersteppe (Tundra), in der Mammute, Fellnashörner, Rentiere und Moschusochsen lebten. Als es wieder wärmer wurde- zeitweise wärmer als heute- bildeten sich ausgedehnte Wälder mit Eichen, Eschen, Buchen, Ulmen, Haselsträuchern, Buchsbäumen, Eiben und Tannen. Sie boten Waldelefanten, Waldbisons und Flusspferden eine Heimat. Heute stellen die im Laufe der Jahrtausende gerodeten Flächen fruchtbares Ackerland dar.

Lohgraben

Wussten Sie, dass der Lohgraben einst der Donau zufloss? Das ist aber schon ein paar Jahre her. Vor etwa 50 Millionen Jahren begann der Oberrheingraben einzusinken. Das veränderte Gefälle zwang immer mehr Flüsse und Bäche in Nordwürttemberg dazu, sich in Richtung Rhein zu entwässern und nicht mehr wie zuvor in Richtung Donau. Unseren Bereich erreichte das rheinische Flusssystem vor etwa 15 Millionen Jahren. Infolge der durch den Einbruch des Oberrheingrabens veränderten Gefällsituation zapfte die Jagst immer mehr bis dahin Richtung Donau entwässernde Flüsse und Bäche an und wurde dadurch wasserreicher und länger. Auf die gleiche Weise hat auch der Neckar vor etwa 10 Millionen Jahren seine Wassermenge verdoppelt. Das Tal des bisherigen Neckars wurde dadurch zu eng. Bis er sich ab Gundelsheim tiefer in den harten Muschelkalk eingraben konnte, dauerte es lange. Der Neckar floss damals in einem breiten, sich ständig verändernden Bett, dessen Spuren sich an den roten, gerundeten Buntsandsteinen zeigen, die wir auf Obergriesheimer Gemarkung finden. Sie haben eine Größe bis zu 30 cm und werden bei uns auch als „Findlinge“ bezeichnet.

Bronzezeit

Ob Obergriesheim in der Bronzezeit (2.200 – 750 v. Chr.) noch oder wieder besiedelt war, lässt sich mangels entsprechender Funde nicht feststellen. Der Raum Bad Friedrichshall mit den Mündungen von Kocher und Jagst bildete aber einen Schwerpunkt der spätbronzezeitlichen Besiedelung. Im Kocherwald bei Bad Friedrichshall-Jagstfeld liegt ein großes Grabhügelfeld mit noch etwa fünfzig Hügeln. Auch bei Duttenberg ist ein Hügelgrab bekannt. In Kochendorf wurde 1999 das Grab eines etwa dreißig- bis fünfzigjährigen Mannes entdeckt, das mit einer massiven Steinabdeckung versehen war und als Beigabe unter anderem ein bronzenes Rasiermesser enthielt. Auch in Offenau wurden bronzezeitliche Gräber freigelegt. Beim Bau der Zuckerfabrik im Jahr 1969 wurden Messer, Dolche, Becher, Teller und Schüsselchen gefunden.

Kelten

Die Kelten haben es in den letzten Jahren zu großer Beliebtheit gebracht. Sie waren in unserer Gegend das Volk der vorrömischen Eisenzeit. Dieser Zeitraum wird von der Forschung in zwei Perioden geteilt, die Hallstattkultur (seit ca. 750 v. Chr.) und die La-Tène-Kultur (seit ca. 450 v. Chr. bis zur Zeitenwende). Mit den bedeutenden Funden im oberösterreichischen Hallstatt und in La-Tène am Neuenburger See in der Schweiz kann Obergriesheim nicht mithalten. Der frühere Obergriesheimer Lehrer Theoboldt berichtet aber von Urnen, die œ Meter hoch waren und am Feldweg oberhalb des Sittele gefunden wurden. Friedrich Klein erwähnt in seiner Dissertation „Siedlungsfunde der ausgehenden Späthallstatt- und frühen Latènezeit in Württemberg von der Scherbe einer Schüssel, die man in Obergriesheim, ebenfalls im Sidele, entdeckte. Der La-Tène-Zeit ordneten die Archäologen zwei Funde zu, zu denen in den Fundberichten aus Schwaben N.F. 4 1926/1928, Seite 61 angemerkt ist: „1. Mühlklinge 0,4 km SO. Wohnstätte der T (Abkürzung für La-Tène-Zeit)... 2. Scholl beobachtete Juli 1927 südwestlich der Kirche ein beim Wasserleitungsbau angeschnittenes Gehöft der späten (?) T.“ Es gibt somit Anhaltspunkte dafür, dass nach den schon beschriebenen Spuren aus der Jungsteinzeit auch in der vorrömischen Eisenzeit wieder oder noch menschliches Leben in Obergriesheim herrschte.

Ritschert

Wer einmal essen möchte wie unsere keltischen Vorfahren, der möge sich „Ritschert" zubereiten. Funde in Hallstatt belegen, dass dieses Gericht in seiner Grundzusammensetzung schon im 8./7. Jahrhundert v. Chr. verzehrt wurde. Für vier Personen wird 0,5 Liter Fleischbrühe aufgekocht. In die Fleischbrühe wird 250 g Bauchfleisch hineingegeben und im geschlossenen Topf bei geringer Hitze 60 Minuten gekocht. Dann werden 50 g Gerste, 50 g Hirse, 100 g Speckwürfel, 5 g Thymian, 25 ml Apfelessig und 0,4 bis 0,5 Liter Wasser hinzu gegeben. Alles wird im offenen Topf bei mittlerer Temperatur 30 Minuten lang weitergegart. Anschließend werden noch 250 g Ackerbohnen (= Saubohnen) hinzugefügt. Das Ganze wird solange weitergegart, bis die Bohnen bissfest sind. – Das Rezept ist dem Buch „Keltische Kochbarkeiten“, 2. Auflage 2010, entnommen, in dem der Autor Achim Werner weitere 59 Gerichte vorstellt.

Die Zeit um Christi Geburt

In der kommenden Woche jährt sich wieder die Geburt Christi. Es wäre interessant, einen Blick auf das Obergriesheim der damaligen Zeit werfen zu können. Nach den heutigen Erkenntnissen geht man davon aus, dass die keltische Kultur im 1. Jahrhundert v. Chr. weitgehend aus Südwestdeutschland verschwand. Ob sich die keltisch geprägte einheimische Bevölkerung von damals immer wieder einfallenden Germanenstämmen vollständig verdrängen ließ oder ob eine Restbevölkerung auf deutlich einfacherem Niveau hier weiterlebte, ist ungeklärt. Einen Hinweis darauf, dass mindestens große Teile der keltischen Bevölkerung das Land bereits vor dem römischen Einmarsch verlassen haben müssen, geben Pollendiagramme. Überdurchschnittlich viel vorhandener Blütenstaub von Wildkräutern, Hasel und Birke lässt darauf schließen, dass sich die Natur verlassene Felder zurückholte. Im Baumgarten von Julius Krauth, nördlich vom Ort, östlich der Straße nach Bachenau, zeigten sich im Juli 1927 beim Verlegen der Wasserleitung Hüttenspuren mit Lehmverputz, die die Archäologen zeitlich nicht zuordnen konnten. Stammten sie vielleicht aus der im Dunkeln liegenden vorrömischen Zeit?

Krippe

In wenigen Tagen wird in der Obergriesheimer Kirche wie jedes Jahr wieder die Krippe aufgestellt werden. Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, wie alt diese ist? Die Pfarrchronik gibt die Antwort. Sie wurde 1939 angeschafft. Die Kosten des Stalles in Höhe von 128 Reichsmark wurden von der Kirchengemeinde getragen, die Figuren der heilige Familien und der Hirten wurde von der Familie Otto Gerstle gestiftet. Den erstmaligen Aufbau der Krippe nahm der Pfarrer unter Unterstützung hiesiger „Jungmänner“ vor. Im Laufe der Zeit kamen weitere Figuren wie die heiligen drei Könige hinzu.

Krippe in der Obergriesheimer Kirche

Römer

Beinahe hätten die Römer unserem Dorf Obergriesheim zum UNESCO-Welterbe-Status verholfen. Im Juli 2005 wurde nämlich der Limes in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Wohl um eine schöne Linie hinzubekommen, entschieden sich die Verantwortlichen dafür, dies nur für den Obergermänisch-raetischen Limes zu tun, der die Jagst bei Jagsthausen in Richtung Öhringen quert. Obergriesheim liegt am Neckar-Odenwald-Limes, der sich vom Duttenberger Elektrizitätswerk durch Duttenberg über die Obergriesheimer Markung und den Staatswald nach Wörth am Main hinzieht. Der Neckar-Odenwald-Limes ist der ältere der beiden. Er verlor seine Bedeutung, als die Römer einige Jahrzehnte später die Außengrenze nach Osten verschoben.
http://de.wikipedia.org/wiki/Neckar-Odenwald-Limes

Römer II

Wie im letzten Artikel schon erwähnt, liegt Obergriesheim am früheren Odenwald-Limes. „Limes“ wurde von den Römern zunächst für „Weg, Pfad“ verwendet, eine Bahn, die Feld und Wald durchquert. Die Römer erreichten wohl um 110/115 n. Chr. das Gebiet unseres Dorfes und dürften zu diesem Zeitpunkt nicht viel mehr als Wald vorgefunden haben. Auf der Ostseite des Dermuth wurde auf unserer Markung das Fundament eines Wachturmes ausgegraben, mit ca. 1 m dicken Mauern und Grundmaßen von 4,80 m mal 4,90 m. Die Wachmannschaft dürfte vom Kastellplatz Wimpfen aufgezogen sein. Wohl kaum einer „unserer“ Römer wird jemals die „Ewige Stadt“ gesehen haben. Als erbeutete Germanen werden sie aber mit den hiesigen Wetterverhältnissen besser zurechtgekommen sein, als dies bei echten Römern der Fall gewesen wäre.

Römer III (Puls)

Ein Limes-Wachtturm war im Regelfall dreistöckig und von bis zu 8 Mann belegt. Der Eingang war erhöht und erfolgte über das Mittelgeschoss, das der Wachmannschaft zu Wohnzwecken diente. Der obere Stock mit mehreren Ausguckfenstern war dem Wachtdienst vorbehalten, im Erdgeschoss wurden Vorräte gelagert. Die Wachmannschaften erhielten für die Abkommandierungszeit berechnete Nahrungsmittelrationen, die u.a. aus Fleisch, Getreide, Öl und Wein bestanden. Eine typische Legionärsmahlzeit war der Puls, den sich jeder mit Hilfe seiner mitzuführenden Getreidemühle selbst bereiten musste. Für vier Personen braucht man dazu 200 g Weizenkleie, 3 Esslöffel Olivenöl, 2 Liter Wasser, 1 klein gehackte Zwiebel, 1 klein gehackte Knoblauchzehe, 1 Stange in Ringe geschnittenen Lauch, 50 g trockene Linsen und/oder Bohnen, 50 g Würfelspeck, Pfeffer und Salz. Um dem römischen Geschmack nahe zu kommen, kann man mit Basilikum, Petersilie oder Koriander würzen. Alle Zutaten werden zusammen in einem offenen Topf bei mäßiger Hitze gekocht. Man kann davon ausgehen, dass ein Soldatenalltag auf dem Obergriesheimer Wachtturm sterbenslangweilig war. So werden sich die Soldaten die Zeit nicht nur mit Kochen, sondern auch mit Spielen vertrieben haben. Die Römer kannten das Mühlespiel und sie würfelten gerne.

Mäurich

Im Zeitraum zwischen 148 und 161 n. Chr. wurde der Limes in Obergermanien von der Odenwaldlinie in Richtung Osten verschoben. Er schnitt danach die Jagst bei Jagsthausen und den Kocher bei Sindringen. Infolge dieser Verlegung erlebte „un-ser“ Limes die Ausbaustufe 4 (193 bis 211 n. Chr.), in der Wälle und Gräben gezogen wurden, nicht mehr. Auch nach seinem Ausbau war aber der Limes nie eine Verteidigungslinie. Dazu war die Grenze viel zu schwach besetzt, die Wachttürme standen zu weit auseinander. Nach wie vor sollten die am Limes stationierten Einheiten in erster Linie die Lage im Limesvorland aufklären und bei aufkommender Gefahr bereits vor der Grenze präventive Maßnahmen ergreifen. Das Limesvorland sollte einen Sicherheitsabstand zu den germanischen Siedlungsräumen schaffen. Die Flur „Mäurich“, in der die bedeutendsten Reste römischer Besiedelung in Obergriesheim gefunden wurden, lag vor der Verschiebung des Limes aus Sicht der Römer betrachtet noch im germanischen Ausland.

Mäurich II

Ende des 19. Jahrhunderts wurde in der Flur „Mäurich“ mehrfach nach den Überresten des dort gelegenen römischen Gutshofes gegraben. Auch der Neckarsulmer Oberamtsrichter Wilhelm Ganzhorn, Dichter des Liedes „Im schönsten Wiesengrunde“, beteiligte sich. Neben Ziegeln und Mauerresten fand man Heizungsröhren, Estrichstücke, einen großen behauenen Stein mit viereckiger Öffnung, Scherben von Terra Sigillata, Nägel, Münzen, eine davon mit der Umschrift „Antoninus Augustus Pius“, eine Pfeilspitze und das Fragment einer Palmette, mit welchen die Römer die Stirn ihrer Häuser zu schmücken pflegten. Ziegel und Mauerreste treten dort heute noch nach jedem Pflügen zu Tage. Die Fundstücke vom „Mäurich“ scheinen beim Brand des Museums in Heilbronn verloren gegangen zu sein. In der Literatur wird auch von Siedlungsresten in der Flur „Ebene“ (etwa dort, wo der Lohgrabenweg von der nach Gundelsheim führenden Landstraße nach Bachenau abbiegt), vor der Kirche, in der Flur „Au“ und östlich vom Ort an nicht näher lokalisierbarer Stelle in den Weinbergen berichtet.

Mäurich III

Wer die auf Obergriesheimer Gebiet gelegenen römischen Bauernhöfe bewirtschaftete, wissen wir nicht. Es können (ehemalige) Soldaten gewesen sein, aber auch Pächter, die über besondere landwirtschaftliche Erfahrungen verfügten. In unseren Breiten bauten die Römer damals Gerste, Dinkel und Saatweizen sowie Linsen, Erbsen und Ackerbohnen an. Zur Gewinnung von Öl wurde Mohn und Lein kultiviert, es wurde wohl aber auch Olivenöl eingeführt, Aus Lein gewann man auch Fasern, ebenso wie aus Hanf. In den Gemüsegärten wuchsen schon damals Zwiebel, Lauch, Knoblauch, Sellerie, Mangold, Gemüse-Kohl, Gurke, Kresse und Rettich. Auch Möhren, Pastinaken, Endivie, Rauke, Kopfsalat, Ackersalat und Portulak waren den Römern bekannt. Besonders gerne verwendeten sie Kräuter und Gewürze: Anis, Basilikum, Bohnenkraut, Dill, Fenchel, Koriander, Kümmel, Kreuzkümmel, Majoran, Melisse, Petersilie, Salbei, Wacholder und Weinraute. Unwahrscheinlich ist, dass die Römer wie ihre Nachfahren in unserer Flur „Mäurich“ schon Wein anbauten. Wein wurde damals importiert und mit Wasser und Gewürzen vermischt getrunken. Im Obstbau beherrschten die Römer schon die Kunst der Veredelung. Wir verdanken ihnen u.a. Garten-Apfel, Kirschen, Pflaumen, Zwetschgen, Birnen, Stachelbeeren und Walnüsse. Von den Wirtschaftstieren genoss das Schwein besondere Wertschätzung, es wurden aber auch Rinder, Ziegen und Schafe gehalten, letztere auch zur Gewinnung von Wolle. Soweit man weiß, wurde Milch weniger getrunken als zu Käse verarbeitet. Mit den Römern gelangte auch die Hühnerhaltung zu einer ersten Blüte. Pferde, Esel und Maultiere wurden als Reit- und Arbeitstiere gezüchtet. Mit den Römern setzte vielleicht auch die erste Hauskatze ihre Pfoten auf Obergriesheimer Boden; in Bad Wimpfen jedenfalls wurden Skelettreste gefunden. Die nahe Jagst könnte damals als Transportweg eine Rolle gespielt haben. Die Römer benutzten damals jedes noch so kleine Fließgewässer zum Treideln.

Die Römer weichen

Der Respekt der Germanen vor dem Limes war nicht so groß, dass nicht einzelne Gruppen ihn immer wieder zu Beutezügen überschritten hätten. Lange gelang es den Römern, sich dieser Angriffe zu erwehren. Im 3. Jahrhundert aber kamen innenpolitische Machtkämpfe zwischen Kaiser und Gegenkaiser hinzu, die das römische Reich so sehr schwächten, dass es sich nicht mehr in der Lage sah, seine Limeskastelle und Infrastruktur in der rechtsrheinischen Provinz zu erhalten. Es zog seine Truppen an die „nassen Grenzen“ des Rheins, des Bodensees, der Donau und der Iller zurück. Für die auf Obergriesheimer Markung liegenden villae rusticae bedeutete dies ebenso wie für das Kastell in Wimpfen, dass sie plötzlich weit vor der Rheingrenze lagen und schutzlos wurden. Dass der Limes in den Jahren 259/260 durch einen gewaltigen Ansturm „der Alamannen“ gefallen sei, gehört wohl in das Reich der Legenden. Weder ist ein solcher Ansturm als Großereignis nachweisbar noch traten „die Alamannen“ als einheitliches Stammesgebilde auf.

Die Alamannen I

Als „Alamanni“ bezeichneten die Römer die germanischen Stämme, die rechts des Rheins siedelten. Deren Siedlungsgebiet bezeichneten sie ab dem 3. Jahrhundert nach Christus als „Alamannia“. Nach dem Rückzug der Römer scheinen verschie-dene Gruppen bisher im Bereich der Elbe ansässiger Germanenstämme aufgebrochen zu sein, um in den freigewordenen Räumen ihr Glück zu versuchen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass dies sogar in Absprache mit den Römern geschah. Über die Herkunft der Alamannen gibt es keine Dokumente, sodass sie aus archäologischen Funden erschlossen werden muss. Dabei spielt das Gundelsheimer Kindergrab eine wichtige Rolle. Das dort bestattete Mädchen starb mit etwa drei Jahren. Man legte ihm ein Trinkglas, ein bronzenes Waschbecken, ein Muschelamulett aus Bergkristall und als Spielzeug ein Pfännchen mit Widderkopf ins Grab, alles aus römischer Herstellung; daneben zwei silberne Armreifen und zwei Fibelgarnituren. Durch entsprechende Vergleiche mit anderen Gräberfunden ist die Wissenschaft zu dem Ergebnis gelangt, dass das Gundelsheimer Mädchen kurz nach der Übersiedlung aus Mitteldeutschland verstorben ist und dies im letzten Drittel des 3. Jahrhunderts der Fall gewesen sein muss. In Obergriesheim selbst wurden keine Spuren gefunden, die ohne Weiteres den Alamannen zugeordnet werden können.

Die Alamannen II

Erst nach der Aufgabe des Limes nahmen Familienverbände elbgermanischer Herkunft, geführt von Reiterkriegern der Elite, das bis dahin römische Land in Besitz. Es scheint, dass die von den Römern als „Alamanni“ bezeichneten Personenverbände unter ihren Gaukönigen getrennt voneinander gesiedelt und sich nur hin und wieder verbündet haben. Wann die ersten Germanen ihren Fuß auf die Obergriesheimer Gemarkung setzten und wie sie mit den villae rusticae im „Mäurich“ und in der „Ebene“ und den hiesigen Bewohnern verfuhren, wissen wir nicht. Es kann sein, dass die früheren Bewohner die Gutshöfe aus Angst vor einer ungewissen Zukunft verließen, ebenso aber, dass einige oder gar alle blieben und sich mit den Neuankömmlingen arrangierten. Der Wissenschaftler Fliedner leitete aus den noch 1970 in Obergriesheim vorhandenen Flurformen ab, dass die Fläche kontinuierlich seit dem Abzug der Römer genutzt wurde. Weil die Steinbauweise den Alamannen fremd gewesen sei, seien die römischen Hofstellen verfallen. Nach Ansicht des früheren Bad Friedrichshaller Stadtarchivars Hansch soll eine auch von Fliedner erwähnte Siedlung Denzlingen im heutigen Obergriesheimer Gewann Denzlinger Rain zwischen 300 und 500 von den Alamannen gegründet worden sein. Laut Fiedler soll es davon auch Scherben geben, über deren Verbleib aber nichts bekannt ist. Hansch geht auf Grund fehlender späterer urkundlicher Erwähnungen davon aus, dass Denzlingen schon um 700 wieder aufgegeben wurde.

Die Franken kommen

Es gibt keine Quellen darüber, ob unsere Gemarkung von den alamannischen Zuwanderern in einem Zuge oder in Wellen besiedelt wurde. Wovon wir sicher ausgehen können ist, dass ihr Alltag ein vorwiegend bäuerlicher war. Alamannen traten aber auch als Söldner in römische Dienste und stiegen dort bis in Offiziersränge auf. Ob das auch für „Obergriesheimer“ galt, ist im Dunkel der Geschichte verborgen. Ebenso wenig wissen wir, welchem Stamm die Obergriesheimer Alamannen zuzurechnen waren und wie die Könige hießen, die unsere Zuwanderer führten. Weil es viele Stämme und Könige gab, war es für die Römer nicht einfach, mit ihren Nachbarn klarzukommen. Um sich ihrer Dienste zu versichern oder mit ihnen nach Auseinandersetzungen Friedensverträge zu schließen, mussten sie sich immer um die einzelnen Könige bemühen. Es gibt auch Quellen, wonach die Zuverlässigkeit der Alamannen zu wünschen übrig ließ. Letztlich brachen im Jahr 364 die Römer mit den „Barbaren“ und suchten die Zusammenarbeit mit den Franken. Zwischen diesen und den Alamannen kam es zu Gebietsstreitigkeiten. 496/97 kam es zur Schlacht bei Zülpich, in der die Alamannen unterlagen. Sie verloren dadurch den nördlichen Teil ihres Gebietes und Obergriesheim wurden fränkisch.

Hunnen

Im 4. und 5. Jahrhundert drangen die Hunnen bis nach Frankreich vor und verursachten dadurch eine Fluchtbewegung, die als Völkerwanderung in die Geschichte einging. Von einzelnen Heimatforschern werden die Hunnen mit den Bewohnern der Krummen Ebene in Verbindung gebracht. Was es damit auf sich hat, wollen wir an dieser Stelle aber nicht verraten. Sie werden es bald nachlesen können. Bis zum Festabend im August 2017 wird unter dem Titel „1250 Jahre Obergriesheim – Eine Spurensuche“ ein Buch erscheinen, in dem sie dieses und vieles andere über die Geschichte unseres Dorfes und seiner näheren Umgebung erfahren können. Unsere bisherigen Häppchen sollten Ihnen einen Vorgeschmack geben und werden es auch in den nächsten Monaten noch tun. Das Buch wird ca. 250 Seiten haben, viele, auch farbige Fotos enthalten und ca. 35 € kosten. Die Auflage wird etwa 500 Stück betragen. Wer sich sein Exemplar - und vielleicht weitere als attraktive Geschenke – bereits jetzt sichern möchte, kann seinen Bestellwunsch an suntax@t-online.de richten. Bei einer entsprechenden Anzahl von Bestellwünschen lassen wir ggf. eine höhere Auflage drucken.

Pippin

Nachdem der dem fränkischen Geschlecht der Merowinger angehörige Chlodwig I 496/97 die Schlacht bei Zülpich gewonnen hatte, mussten die Alamannen den nördlichen Teil ihres Gebietes abgeben und unser Gebiet wurde von fränkischen Stammesangehörigen besiedelt. Die von den Franken eroberten Gebiete wurden Königsgut und gehörten unmittelbar dem Fürsten Chlodwig I. Mit den daraus erzielten Erträgen finanzierte er weitere Feldzüge und stärkte seine Macht. Indem er sich taufen ließ, zwang Chlodwig über das Band des gemeinsamen Glaubens die schon früher christlich gewordene galloromanische Bevölkerung seines Reiches und die Franken zum Zusammenhalt. In der katholischen Kirche sah er ein wichtiges Werkzeug zur Beherrschung seines Reiches. Zur Durchsetzung seiner Anordnungen bediente er sich auch der Bischöfe, auf deren Einsetzung er Einfluss nahm. Als Chlodwig I. 511 starb, wurde das Reich unter seinen Söhnen aufgeteilt. In den folgenden Generationen verloren die Merowinger die Macht an die sog. Hausmeier, die von Verwaltern der Merowinger zu selbständigen Herrschern aufstiegen. Zu ihnen gehörte der um 751 zum König gesalbte Pippin III., dessen Name im Zusammenhang mit unserer ersten urkundlichen Erwähnung im Lorscher Kodex genannt ist („…am 26. April im 15. Jahr des Königs Pippin“).

Karl der Große

Wie schon erwähnt, wurden Teile der Markung Obergriesheim 767 unter der Herrschaft des Königs Pippin, genauer Pippins III., dem Kloster Lorsch geschenkt. Pippin, der Kurze, wie er auch genannt wurde, zeugte Karl den Großen, der nicht nur ein bedeutender Kaiser war, sondern auch viele seiner Zeitgenossen an Körperlänge übertraf. Das Kloster Lorsch stand unter seinem besonderen Schutz, weil er es zum Regieren und Verwalten brauchte. Als Bestandteil der „Staatskirche“ hatte das Kloster Lorsch das Land im Interesse der fränkischen Könige zu kultivieren und zu pflegen. Diese Aufgaben waren in enger Zusammenarbeit mit den fränkischen Königshöfen zu erfüllen, wobei Greozisheim wohl in den Zuständigkeitsbereich des Königshofes Wimpfen fiel. Einen bedeutenden Königshof gab es auch in Heilbronn, der so wirtschaftsstark und baulich gut ausgestattet gewesen sein muss, dass er notfalls eine Reichsversammlung und das Königsgefolge aufnehmen und verpflegen konnte. Denn im Mittelalter waren die Kaiser praktisch immer unterwegs.

Christentum

Die Christianisierung der Franken im vormals alamannischen Gebiet erfolgte wahrscheinlich nicht schlagartig, sondern zog sich über Jahrhunderte hin. Erst im Laufe des 7. Jahrhunderts begann sich das Christentum auch rechts des Rheins auszubreiten. Der Wormser Bischof Armandus errichtete um 660 in Wimpfen ein Pfarrzentrum. 741 gründete der heilige Bonifatius das Bistum Würzburg, zu dem schon kurze Zeit später das Gebiet an Jagst und Kocher gehörte. 764 wurde das Kloster Lorsch gegründet, das von Anfang an eng mit dem Hausmeier Pippin verbunden war. Das Kloster Lorsch erhielt in den folgenden Jahrzehnten eine Vielzahl von Schenkungen und stand ab 771 unter dem besonderen Schutz Karls des Großen. Dafür war es dem König zu Leistungen verpflichtet, zu denen nicht nur das Gebet für die königliche Familie, sondern auch die Beherbergung und Verpflegung des Königs und seines Gefolges, Reisen des Abts zu königlichen Hoftagen und die Verpflichtung zur Heeresfolge gehörten. Unbekannt ist, wann die Obergriesheimer eine erste Kirche ihr Eigen nennen durften. Der frühere Bad Friedrichshaller Stadtarchivar Hansch hielt es für möglich, dass in der Frankenzeit die Duttenberger Kreuzkapelle Mutterkirche für Obergriesheim war. Vermutlich habe sich Obergriesheim um das Jahr 1.000 mit einer eigenen, dem Mauritius geweihten Kirche von Duttenberg gelöst.

Erste Kirche

Der frühere Obergriesheimer Lehrer Willy Theoboldt hat sich in seiner 1949 verfassten Studienarbeit intensiv mit der Geschichte des Dorfes befasst. Er hatte noch Gelegenheit mit Zeitzeugen zu sprechen, die ihm erzählten, dass im Jahr 1906 beim Bau des Wohnhauses Heidelberger Straße 19 im Boden menschliche Skelette in Reihengräbern gefunden wurden „u. a. ein gut erhaltener Totenschädel, dessentwegen die Nachbarskinder damals vor lauter Angst nicht mehr hätten schlafen können“. Pfarrer Maier berichtet in der Pfarrchronik, dass im Jahr 1923 auch im westlichen Nachbargrundstück Gebeine von Menschen zum Vorschein gekommen seien. Er schloss daraus auf einen alten Friedhof und vermutete, dass hier vielleicht die älteste hiesige Kirche gestanden haben könnte. Laut einem Augenzeugen waren die Toten in Ostrichtung begraben, auf manchen lag eine Steinplatte. Die Knochen seien auf Weisung des Ortsgeistlichen in einem Korb gesammelt und im Friedhof eingegraben worden. Im Zusammenhang mit dem Flurnamen „Käppele“ vermutete Theoboldt, dass hier vor Erbauung der Kirche eine Kapelle stand, um welche herum die Obergriesheimer Toten bestattet wurden. Der Begräbnisplatz könne auf die Franken zurückgehen.

Essen wie die Franken

Wer den Franken zur Zeit Karls des Großen kulinarisch auf die Spur kommen möchte, hat diese Woche die Möglichkeit. Der Frühling bietet eine breite Palette von Garten- und Wildkräutern und wer auch letzteren in seinem Garten eine Chance lässt, hat es bei der Suche nach Zutaten für sein Rührei mit Wildkräutern und Pilzen leichter. 400 g braune Champignons würfeln und mit jeweils feingeschnittenem 40 g Kerbel, 10 g Löwenzahn, 15 g Schafgarbe, 15 g Gundermann und 15 g Hirtentäschel mischen. (Natürlich kann man auch andere Kräuter, wie z. B. den gerade in Fülle sprießenden Bärlauch, Giersch oder das kresseartig schmeckende Wiesenschaukraut verwenden.) 6 Eier verquirlen und zusammen mit den Pilzen und Kräutern in 50 g heißer Butter zunächst stocken lassen, dann aufrühren, gar ziehen und mit Salz abschmecken. Man kann auch am Salz sparen, denn es war zur Frankenzeit ein teures Gut. (Nach einem Rezeptvorschlag aus Werner/Dummer, Kochen durch die Epochen, 2. Auflage 2012, S. 67)

Wohnverhältnisse der Franken

Gebäudespuren aus der Frankenzeit sind auf der heutigen Obergriesheimer Markung nicht mehr feststellbar, was auch daran liegt, dass die damaligen Gebäude vollständig aus Holz bestanden und zumal dann keine Spuren hinterließen, wenn die Standorte später wieder landwirtschaftlich genutzt wurden. Zum Bau der Gebäude wurden damals Pfosten in die Erde eingegraben, die Möglichkeiten des Holzschutzes waren unzulänglich. Daher mussten die Hofstellen alle 30 bis 50 Jahre erneuert werden, was häufig auch einen Standortwechsel mit sich brachte. Viele Einwohner wird Greozisheim damals nicht gehabt haben; die Wissenschaft geht für karolingische Dörfer von durchschnittlich 10 bis 12 Höfen und 70 Einwohnern aus. Das typische Bauernhaus der Karolingerzeit war von einem Garten und oftmals noch von Nebengebäuden wie Ställen, Speichern und sonstigen Wirtschaftsgebäuden umgeben. Im Bauernhaus wohnten und arbeiteten die Menschen nicht nur, häufig bot es auch den Tieren des Hofes - Rindern, Schafen und Schweinen - Unterkunft.

Landwirtschaft im Frühmittelalter

Das Leben der Greozisheimer um 900 war hauptsächlich von der Landwirtschaft bestimmt, die sie von Sonnenaufgang bis zum Einbruch der Dunkelheit in Anspruch nahm. Das Pflügen der Felder war zwar immer noch mühsam, gelang aber mit dem von Ochsen gezogenen Wagenpflug besser als mit dem früheren Hakenpflug. Im Sommer wurden das Sommergetreide, Hafer und Gerste, aber auch Hülsenfrüchte geerntet; das Getreide wurde auf halber Höhe geschnitten und die Strohstoppeln für das Vieh auf dem Feld gelassen. Auf dem Hof wurden die Garben mit dem Dreschflegel gedroschen, die Körner könnten in einer Wassermühle an der Jagst oder mit Handmühlen nach Bedarf auf den Höfen gemahlen worden sein. Im Spätsommer wurde zum zweiten Mal gepflügt und das Wintergetreide gesät, Weizen, Roggen, Dinkel oder Gerste. Ob in Greozisheim im Herbst Trauben geerntet und Wein gekeltert wurde, wissen wir nicht; Weinberge sind hier nicht Gegenstand beurkundeter Schenkungen gewesen. Sicher haben unsere fränkischen Vorfahren im November und Herbst die Schweine in den Wald getrieben, damit sie sich an Eicheln und Bucheckern mästeten. In den kalten Monaten wurde geschlachtet; Fleisch und Wurst wurden durch Pökeln und Räuchern haltbar gemacht. Im karolingischen Zeitalter dürfte die Dreifelderwirtschaft auch in Greozisheim Einzug gehalten haben. Dabei trug ein Drittel des Feldes Wintergetreide, eins Sommergetreide, eins lag brach. Nicht nur für die Organisation der Dreifelderwirtschaft, sondern auch in Bezug auf die Nutzung der Allmende, der dörflichen Wald- und Weideflächen, war eine Absprache der Dorfbewohner unumgänglich. Wie sie organisiert war, wissen wir aber leider nicht.

Weiteres über die Franken

Über den Alltag der Obergriesheimer in der Frankenzeit lässt sich noch manches berichten: Wie sie arbeiteten und feierten, wohnten, sich ernährten, kleideten, Streitigkeiten lösten und litten. Vieles davon kann man beim Nachmittagsausflug nach Lorsch am 15. Juni 2017 erfahren, der mit einer Führung durch das Freilichtlabor Lauresham verbunden ist. Hierzu wird ein Flyer verteilt werden; schauen Sie auch auf die Homepage „www.obergriesheim.eu“. In dem von Prof. Dr. Manfred Muhler geschriebenen und von Richard Mall mit ca. 140 Bildern ausgestatteten Buch „1250 Jahre Obergriesheim - Eine Spurensuche“ wird man (auch) über die Lebensverhältnisse der Franken lesen können. Wer sich, seinen Nachkommen und Verwandten schon heute eines der bis jetzt geplanten und teilweise auch schon verkauften 500 Exemplare sichern möchte, sollte bald unter suntax@t-online.de reservieren. Das Buch wird etwa 280 Seiten haben. Der Preis muss wegen der recht geringen Auflage bei etwa 35 € liegen, die Verfasser arbeiten unentgeltlich. Solange der Geiger-Verlag in Horb noch den Druck vorbereitet, könnte die Auflage noch erhöht werden; danach ist das nicht mehr möglich. Das Buch soll zum Straßenfest erhältlich sein.

Die Zeit nach den Franken

Von den großen Ereignissen, welche heute für die Geschichte des Frühmittelalters bestimmend sind, dürfte der Obergriesheimer Alltag weitgehend unberührt geblieben sein. Da das Leben unserer Vorfahren von der Landwirtschaft abhing, war es für sie von größerer Bedeutung, ob die Natur ihre Launen zeigte oder durch einen Herrscherwechsel Abgaben an einen anderen Berechtigten geliefert werden mussten. Im Jahr 873 wird von einer Heuschreckenplage berichtet; ob die von Ost nach West ziehenden Insekten auch die Obergriesheimer Feldfrüchte vertilgt haben, wissen wir nicht. 887 soll in Folge eines sehr langen und strengen Winters fast ein Drittel der Menschen in Germanien gestorben sein, Main und Rhein waren zugefroren. 889 sollen Hagel und sintflutartiger Regen zu einem gefährlichen Mangel an Getreide geführt haben. Die Raubzüge der Ungarn, die 954/955 die Wimpfener Talstadt zerstörten, werden auch die Obergriesheimer in Angst und Schrecken versetzt haben. Somit profitierten auch sie davon, dass das Ostfrankenreich nach dem Tod des letzten Frankenkönigs Konrad I. im Jahr 918 und dem Sachsenherzog Heinrich mit dem 962 zum Kaiser gekrönten Otto I. dem Großen einen starken König fand, der mit seinem Sieg auf dem Lechfeld im Jahr 955 die Einfälle der Ungarn beendete.

Hochmittelalter

Über den Zeitraum vom 9. Jahrhundert bis 1278 geben die Urkunden keinen Hinweis auf Obergriesheim. In Gundelsheim wird erstmals 1238 die Burg Horneck erwähnt, als sich eine Adelsfamilie nach ihr nennt. Spuren von Gebäuden und Gegenständen, die aus der Zeit des Hochmittelalters (ca. 1000 bis ca. 1250) stammen, gibt es in Obergriesheim nicht. Da mit dem Einzug des Christentums keine Grabbeigaben mehr erfolgten, versiegte eine wichtige archäologische Quelle.

Obergriesheim im Spätmittelalter

Im Spätmittelalter (ca. 1250 bis ca. 1500) ist Obergriesheim in Urkunden mehrfach erwähnt. 1278 hob der Vogt des Stifts Wimpfen, Hermann Lesch, das Hauptrecht (Kopfsteuer) und Watmal (Steuer für das Bestgewand) für die Stiftshörigen u.a. in Grizisheim auf. Frohnhäuser erwähnt in seiner „Geschichte der Reichsstadt Wimpfen, des Ritterstifts St. Peter im Thal, des Dominikanerklosters und des Hospitals zum hl. Geist zu Wimpfen am Berg“, dass das Stift Wimpfen im Jahr 1308 Zehnten in Obergriesheim gehabt habe. 1330 schenkten die Schwestern Hedwig, Lingart, Hillegunde, gen. Nagenlöcherin von Griesheim dem Minoritenkloster in Heilbronn Œ ihres Hofes in Obergriesheim. Ob zwei weitere urkundliche Erwähnungen von 1336 und 1350 unser Dorf betreffen, ist nicht sicher: 1336 verpfändete das Hochstift Würzburg dem Johannes von Wormstet und den Brüdern Heinrich und Hermann von Griezheim, Edelknechten, seinen Weiler Lutebach für 150 Pf.H. und 1350 wird ein Heinrich von Griezheim als Archidiakonus von Bamberg genannt. Bei der nächsten urkundlichen Erwähnung ist aber eindeutig unser Obergriesheim gemeint: 1351 verpfänden Kunigunde, Diethers von Berlichingen Witwe, und ihre Kinder „8 Morgen Acker neben einander gelegen, genannt zu Bremecherenrain in Ober-Griesheimer Mark an den Wimpfener Bürger Heinrich von der Neuenstadt. 1360 hatte das Dominikanerkloster zu Wimpfen Hellerzinse zu Obergriesheim.

Obergriesheim im Spätmittelalter

Nach einer Urkunde von 1360 gestattet Kaiser Karl IV. dem Burkard Sturmfeder, die ihm vom Reich verpfändeten, „gen Wimpfen gehörigen Dörfer Bachenheim, Tutenberg, Offenheim, Großen und Kleinen Grißheim, Jachsvelt, Richartshusen und Katzenthal“ seiner Schwiegertochter, Elsbeth von Hirschhorn, zu überweisen. 1362 wird diese Pfandschaft vom Erzbischof von Mainz mit Genehmigung des Kaisers übernommen. Diesem Umstand verdankt Obergriesheim das Mainzer Rad in seinem Wappen. Aus dem Jahr 1363 gibt es ein Urteil in Steuerstreitigkeiten, welche die Dörfer Bachenau, Obergriesheim, Untergriesheim und Offenau gegen Duttenberg und Jagstfeld führten. 1374 verkauft Lutwin der ältere von Heilbronn an Konrad von Gosheim genannt von Himberg, Edelknecht, 2 Fischenzen (Fischrechte) zu Griesheim, die er vom Grafen von Löwenstein gekauft hatte, mit Wiederkaufsrecht und Vorbehalt des Wiederkaufsrechts für den Grafen von Löwenstein. 1402 verkauft der Edelknecht Diether von Berlichingen an das Barfüßerkloster in Heilbronn sein halbes Gütlein in Obergriesheim, das Kunz Volz baut, und die Hälfte von je 1 Malter Roggen und Haber Gülte (= Abgabe) von Heinz Zettler daselbst, wovon die andere Hälfte seiner Schwester gehört, während die Fruchtgülte für das ewige Licht vor dem Ludwigsaltar im Kloster über dem Grab Hans Bernharts bestimmt ist, um 60 fl, die er von Hans Bernhart, dem Pfleger des Klosters, erhält. Daneben gibt es eine ganze Reihe weiterer Urkunden, die sich mit dem Übergang von Rechten in Obergriesheim befassen.

Obergriesheim im Spätmittelalter II

1484 fand in Obergriesheim ein Herrschaftswechsel statt. Das Erzbistum Mainz bot dem deutschen Ritterorden die Herrschaft Scheuerberg-Neckarsulm zum Tausch gegen die am Main gelegenen Kommenden Prozelten und Neubronn an, weil jene für Mainz günstiger lagen als unser Gebiet. Die alte Herrschaft Scheuerberg wurde zum Deutschordensamt Scheuerberg erhoben, welchem das Amt Heuchlingen mit den Dörfern Jagstfeld, Duttenberg, Ober- und Untergriesheim, Bachenau und Offenau untergeordnet wurde. Der Tausch wurde vorbereitet, indem Herzog Albrecht von Sachsen, der Administrator des Erzstifts Mainz Scheuerberg und Neckarsulm nebst zugehörigen Rechten, darunter auch in Obergriesheim, von Hans von Sickingen dem Jüngeren einlöste. Die Herrschaft des Deutschordens in Obergriesheim dauerte bis 1805. In Gestalt des schwarzen Kreuzes auf weißem Grund schlägt sie sich noch heute im Obergriesheimer Wappen nieder.

Deutschorden

Der Deutschorden hatte schon vor dem 1484 erfolgten „Scheuerbergtausch“ von 1484 in unserer Gegend Rechte besessen. Nach den Kreuzzügen war er durch Stiftungen und Schenkungen sowie durch den Beitritt bedeutender Adelspersönlichkeiten reich und mächtig geworden. In Heilbronn war 1225 eine Kommende des Deutschen Ordens gegründet worden; Kommenden, die auch Komtureien genannt wurden, waren Verwaltungseinheiten des Deutschen Ordens, deren mehrere wiederum in Balleien zusammengefasst wurden. Die Burg Horneck in Gundelsheim war wohl um 1250 an die Deutschherren gekommen. 1396 hatte das Deutschordenshaus Horneck Heinrich von Bieringen und Adelheid von Bloa deren Teil zu Heckspur (Höchstberg) samt deren eigenen Leuten dort, 8 Morgen Wiesen an der Schefflenz und deren Teil an Bernbrunn mit allen Rechten und Einkünften für 300 Gulden abgekauft. Die Ortsherrschaft des Deutschen Ordens in Tiefenbach ist erstmals 1525 belegt; vermutlich war der Ort aber ebenfalls schon im 14. Jahrhundert erworben und der Kommende Horneck zugeschlagen worden. 1433 und 1442 hatte der Deutschmeister Eberhard von Seinsheim von der Familie Lemlin ein Hofgut in Offenau erworben, um das neu gegründete Spital in Gundelsheim wirtschaftlich zu stärken. 1466 hatte der Deutsche Orden einen Teil des Schlosses Heuchlingen von einem Heilbronner Bürger gekauft, der diesen zuvor von Burkhard (gestorben 1442) und Wilhelm von Wittstadt genannt Hagenbach erworben hatte. Das höchste Amt des heute noch bestehenden Deutschen Ordens ist das des Hochmeisters. Unter dem Hochmeister standen zunächst drei, ab 1324 zwei Landmeister, von denen der für die Gebiete des heutigen Deutschlands und Italiens zuständige sich Deutschmeister nannte. 1438 bis 1525 hatte der Deutschmeister seinen Sitz in Gundelsheim. Die Kommende Horneck mit ihrem Unteramt Heuchlingen unterstand dem Deutschmeister direkt, d.h. es war keine Ballei dazwischen geschaltet.

Obergriesheim in der Deutschordenszeit

Von 1484 bis 1805 stand Obergriesheim unter der Herrschaft des Deutschordens. Vieles hat sich in diesem Zeitraum ereignet. In der Reformation trat der Obergriesheimer Pfarrer zum protestantischen Glauben über. Der Bauernkrieg fand auch bei uns statt und Obergriesheimer waren dabei. Als zwischen 1550 und 1650 der Hexenwahn in Deutschland seinen Höhepunkt erreichte, forderte er auch in Obergriesheim seine Opfer. Im Dreißigjährigen Krieg erlebten die Obergriesheimer zwei Pestepidemien; der Rat eines Vögelchens soll die letzten Einwohner vor dem schwarzen Tod gerettet haben. Auch nach dem Dreißigjährigen Krieg hatte Obergriesheim immer wieder Truppendurchzüge zu erdulden. Die Auswirkungen der französischen Revolution im Jahr 1789 bekamen auch die Obergriesheimer zu spüren. Während und zwischen allen diesen genannten Ereignissen hatten unsere Vorfahren ihren oft beschwerlichen Alltag zu meistern.
In den letzten Monaten konnten Sie immer wöchentlich „Häppchen“ aus der Geschichte unseres Dorfes Obergriesheim lesen. Sie entstammten dem Buch „1250 Jahre Obergriesheim – eine Spurensuche“ des der Verlag zum Straßenfest ausliefern wird. Es behandelt die Zeit vom Urknall bis heute und gibt selbstverständlich auch darüber Auskunft, wie die Ermittlungen wegen Hexerei gegen die Familie Raudenbusch endeten. Unser Buch hat 224 Seiten und enthält 150 Bilder, fast alle in Farbe. Der Preis beträgt 35 €. Eine Leseprobe finden Sie hier auf der Homepage. Man kann das Buch auf dem Straßenfest kaufen, es wird auch im Bürgerbüro erhältlich sein. Es wäre schön, wenn sich möglichst viele Ihre Bücher schon vor dem Straßenfest holen könnten, dann wäre es für uns entspannter. Sobald wir wissen, wann die Bücher kommen, werden wir einen Verkaufstermin in der Eintrachthalle anbieten. Im Falle von Vorbestellungen bei Manfred Muhler (E-Mail-Anschrift: suntax@t-online.de) kann der Zeitpunkt der Übergabe individuell vereinbart werden.

39. Obergriesheimer Straßenfest

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